Wird das Handy heutzutage zu viel genutzt?

(Selbst-)Kritische Gedanken des ehrenamtlichen Kreisbeigeordneten Marco Hesser

Es besteht mitunter in der Welt unserer Schulkinder das Gleiche, wie in unserer Welt. Morgens lesen wir die Zeitung über das Smartphone (Handy); auf der Fahrt zur Arbeitsstelle und an der Arbeitsstelle ist dies stets griff- und einsatzbereit. Wir wünschen, sofort über neue Kontaktversuche informiert zu werden. Bis zu den Verabredungen am Abend begleitet es uns stetig. Das Handy ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken.

Foto: CDU/Tobias KochFoto: CDU/Tobias Koch

Wen wundert es, dass unsere Schulkinder schon ein gleiches Verhalten an den Tag legen? Schon beim Frühstück wird mit den Freundinnen und Freunden „geschrieben“, auf dem Weg zur Schule wird berichtet, wie lange es noch dauert, mitunter wird die Handykorrespondenz durch persönliche Gespräche in der Schule sogar unterbrochen, aber schon auf dem Nachhauseweg bis abends wieder aufgenommen. Die letzte Nachricht, jetzt ins Bett zu gehen, wird selbstverständlich auch noch abgesetzt. Teilweise begleitet das Handy sogar den Toilettengang, um abgerundet informiert zu sein. Dabei darf es keine Ablenkung geben. Es wird eine Flut von Informationen aus dem Netz abgerufen, die sich in Mega- oder Gigabytes auf den Rechnungen, sollte kein „Flatrate-Vertrag“ abgeschlossen worden sein, abbilden. Und wehe das Display sagt „Kein Netz“ oder das WLAN funktioniert nicht, dann gerät leicht und schnell die Welt aus den Fugen. 

Abgesehen davon, dass schließlich wir Erwachsenen Vorbilder sein sollen, muss man sich fragen, ob es nicht zum Erziehungsauftrag gehört, die Handynutzung von unseren Kindern zu regulieren. Konkret stellt sich auch für den Landkreis Darmstadt-Dieburg als Schulträger die Frage, ob nicht regulierend eingeschritten werden kann oder soll. Rechtlich gesehen, kann ein Handyverbot in der Schule nur die Schulleitung zusammen mit den Eltern aussprechen. Diese Frage sollte gemeinsam im Einvernehmen entschieden werden. 

Es stellt sich zwar als positiv dar, zu wissen, wo sich unsere Kinder gerade aufhalten und welches Bewegungsprofil sie haben, obwohl dieses Wissen allein schon gegen Menschenrechte verstößt und ein Verstoß gegen Datenschutzgesetze bedeutet. Aber man kann dies rechtlich vor allem durch den Erziehungsauftrag als gerechtfertigt ansehen. Positiv ist es auch, dass eine Kommunikation mit unseren Kindern, die ohnehin mitunter zu kurz kommt, möglich ist. Jederzeit für seine Kinder da zu sein, um gegebenenfalls helfen zu können, kann auch als positiv betrachtet werden, denn es kann „übers Netz“ regelrecht eine intensive Verbindung zwischen Kindern und Eltern und ein Zusammengehörigkeitsgefühl zustande kommen. Auch für die Recherche im Schulunterricht – nach ausdrücklicher Genehmigung durch die Lehrerin oder den Lehrer – kann der Umgang in der digitalen Welt erlernt und verfestigt werden. 

Jedoch überwiegen die negativen Punkte einer derart extensiven Nutzung von Mobiltelefongeräten bei Kindern und Eltern.
Es fängt schon mit Warnungen von Ärzten hinsichtlich der Strahlen- und magnetischen Belastungen von Handys an, denn nicht umsonst soll kein Handy bei den Tankvorgängen zugegen sein. Die permanenten konzentrierten Blicke auf ein Handydisplay sollen der Sehfähigkeit schaden. Die fortlaufend auf das Handy gerichtete Konzentration, ob nicht gerade irgendjemand an einen denkt und eine Neuigkeit zu melden hat, verursacht, dass andere möglicherweise wichtigere Lebenssituationen in den Hintergrund geraten. Gerade in der Schule ist es aber unbedingt notwendig, die volle Konzentration dem Unterricht zu widmen, um den Lernstoff für das Leben bleibend aufzunehmen. Eine andauernde Konzentration auf das Handy und die Hintanstellung von möglicherweise wichtigen Erkenntnissen des Lebens bewirkt gerade das Gegenteil von dem, was vom Handy erwartet wird, nämlich eine Erweiterung des Lebenshorizontes. Nicht zuletzt ist das ständige Fokussieren auf das Handy nicht positiv für die Entwicklung und möglicherweise sogar kontraproduktiv bei der Suche nach neuen Freunden und Bekannten.   

Es ist, wie überall im Leben. Wir Erwachsenen müssen es den Kindern vorleben, wann und in welchem zeitlichen Rahmen das Mobiltelefon genutzt werden kann und soll, damit diese Nutzung die Kindesentwicklung fördert und nicht einerseits gesundheitsschädlich und andererseits entwicklungshemmend ist. 

Eines muss aber auf jeden Fall abschließend beachtet werden, selbst von denjenigen, die „der Welten Heil“ im Handy sehen. Es ist schlichtweg ein Akt der Höflichkeit das Handy nicht bei jedem Gespräch, bei jedem Essen, bei jeder Gelegenheit griffbereit dabei zu haben und sich mehr auf das Handy zu konzentrieren als auf den gerade anwesenden Gesprächspartner.